Das Leben mit Kindern – Und warum ich KEINE Erziehungsratgeber lese!

Vor vielen, vielen Jahren dachte ich, Kinder bekommen ist das Natürlichste der Welt. Und Mutter sein, ja sowieso. Dabei habe ich nicht bedacht, dass die Welt da draussen sich weiterentwickelt, sich die Lebensumstände der Menschen langsam ändern und auch die Einstellungen zu vielen Dingen eben “anders” werden.

Ich konnte es mir nie so ganz vorstellen, wie es so wirklich ist, Mutter von mehreren Kindern zu sein. Fragte mich noch mit 30 Jahren ein Kollege, wie es denn bei mir so mit Kindern aussieht. zuckte ich mit den Achseln und dachte mir: “Was haben die bloß alle”?! Kinder sind zwar etwas Wunderbares, jedoch hätte ich mir auch einen anderen Lebensentwurf vorstellen können.

Als ich meinen Mann kennenlernte, ging alles ganz schnell, aber geplant. Und “Ruck-Zuck” waren sie da,  drei Kinder an der Zahl. Es ist heute für mich manchmal noch komisch, wenn ich sie so anschaue und wirklich begreife, dass das ALLE meine sind 😉 !

Das Leben mit Kindern ist oft kein Kinderspiel. Wenig Schlaf, durchwachte Nächte, eine ordentliche Lautstärke im Haus und NIEMALS richtig frei. Ich kann Mütter und Väter sehr gut verstehen, die in Gesprächen manchmal sagen, dass sie am Ende ihrer Kräfte sind und für`s Mutter oder Vater sein irgendwie nicht gemacht sind. Kinder sind klasse, sie sind gnadenlos ehrlich, lebendig, unverstellt und immer für einen Spaß zu haben. Das Leben mit Kindern verändert dich automatisch und ganz schnell. Oft hat man das Gefühl, seine eigenen Gedanken nicht mehr hören zu können, vieles dreht sich und ein Blick auf die “to do Liste” lässt einen fast schreien. Nichts ist mehr wie vorher, die Erwartungen von Aussen sind immer da und sie sind hoch.

Oft hat man das Gefühl, nichts richtig zu machen, sich selber und ja auch dem Kind nicht mehr gerecht zu werden. Man will und muss ja alles machen, erledigen, richtig machen und das, natürlich ganz locker und lächelnd nebenbei.

Ich erinnerte mich noch genau an mein erstes “Babybuch”, das ich damals geschenkt bekommen habe. Einen durchaus angesagter Baby-Kinder-Ratgeber. Wobei ich mir heute oft denke, wer zum Teufel schenkt frisch gebackenen Müttern Lesestoff? Naja, da er so dick war, laß ich den Ratgeber einfach mal quer durch, schließlich brauchte ich dringend die neusten hippen Informationen, die ich anscheinende nicht hatte! Und da war er der Satz, der sich irgendwie in mein Hirn bohrte. “Das Neugeborene schläft in der Regel ab der 6-8 Lebenswoche regelmäßig durch”! Was? Echt jetzt? Also bei mir nicht!

Gut war auch, als mir eine Bekannte ihre ausgelesenen Babyzeitschriften mitgab. Super dachte ich, wieder der neuste Stoff aus der Babywelt, den muss man bestimmt wissen. Also einen Kaffee zubereitet (natürlich koffeinfrei) und schnell mit den neusten News auf die Couch. “Das kleine Kind ist ab dem 3 oder 4 Monat an Breikost interessiert – füttern sie also langsam zu, damit sich ihr Kind auch altersgemäß entwickelt”! Auch das traf nicht zu, meine Tochter war auch im 8 Monat noch nicht im geringsten an Breikost interessiert (und ja sie hat sich prächtig entwickelt und ist heute 10 Jahre alt). WTF….muss wohl an mir liegen 😉 !

Ein anderer Ratgeber schrieb:” Das Kind schläft natürlich am liebsten bei seinen Eltern, aber es findet sein eigenes Bettchen genauso attraktiv”. “Sie müssen es nur konsequent davon überzeugen, dass es gerne in seiner Umgebung schläft”. Ach so…..nichts leichter als das. Wir haben genau ein paar Tage und Nächte durchgehalten, dann sind wir “eingeknickt” und waren wie Zombies, die 4 Tage nicht geschlafen haben. Also das Kind ab mit ins Bett und RUHE war. Danach hatten wir Kinder, die immer und überall eingeschlafen, durchgeschlafen und überhaupt gerne geschlafen haben. Aus die Maus!

So ging es mir mit vielen Dingen. Alles war bei diesen Kindern im Ratgeber immer anders. Früher gesprochen, früher gekrabbelt, mehr gegessen, früher gelaufen, früher trocken, besser gemalt ach und alles immer irgendwie MEHR und SCHNELLER und WEITER!

Irgendwann habe ich mich gefragt, warum ich diesen ganzen Quatsch überhaupt lese! Keinen Ratgeber habe ich mir auf eigenen Wunsch gekauft, alle wurden mir kommentarlos zugesteckt, geschenkt oder einfach vor die Tür gelegt. Und da war mir klar, ich brauche die gar nicht. Auf meine Kinder trifft hier eh nichts zu. All diese Informationen haben ständig dafür gesorgt, dass ich mir planlos und hilflos vorkam. Dabei war ich das zu keinem Zeitpunkt. Ich habe mich ein paar Stunden davon abbringen lassen. Weg von der Intuition zu Tipps und Ratschlägen, die bestimmt ALLE gut gemeint waren, aber mich als Mutter eher genervt oder auch verunsichert haben.

Kinder passen niemals in ein Schemata, darüber muss und sollte man sich bewusst sein. Ratgeber sind nichts Schlechtes, doch sollte man sich immer klar machen, dass es ausser diesen Sätzen aus noch viele andere Facetten und Standpunkte gibt. Lasst Euch nicht verunsichern. Mütter sind mit einer wunderbaren Intuition ausgestattet. Also vertraut Euch, vertraut auf Euch selbst, vertraut auf Euer Können. Macht es so, wie ihr es machen wollt und lasst Euch NICHT verunsichern. Mit einer Portion Liebe und etwas Menschenverstand werden sie nämlich ALLE ganz von alleine groß 😉 !

Habt einen wunderschönen Abend.

Martina

 

 

 




Mein Alltag mit Pferd, Kids & Arbeit

Seit Ende September ist hier so einiges anders! Mein langersehnter Traum wurde wahr und meine Islandstute Elding zog zu mir in den Norden. Mir war klar, dass sich damit einiges ändern würde, vor allem zeitlich würde ich mich sehr gut organisieren müssen. Ganz klar! Ich habe mich oft vor dem Kauf gefragt: “Ist das überhaupt möglich”?! Klar bei Teenagern kennt man das, sie kommen aus der Schule, erledigen in Windeseile ihre Hausaufgabe und rennen zum Pferd. Zeit ist zwar auch knapp, aber neben Schule, eben noch irgendwie zu schaffen. Aber was, wenn man keine junge Erwachsene mehr ist? Klar, habe ich das Pferdemädchen in mir erhalten, trotzdem habe ich mittlerweile auch andere Verpflichtungen und die, nicht zu knapp. Ich hätte mich gerne mit anderen Mütter ausgetauscht, aber leider kannte ich bis dahin keine reitende Mutter, die auch vor der Frage steht, Familie, Job und eigenes Pferd, geht das überhaupt? Ist das vielleicht gar nicht möglich?! Und wenn ja wie geht das, wie macht man das am besten und ist da bitte Jemand, der mir Tipps geben kann, wie man alles unter einen Hut bekommt!? Ständig stellte ich mir diese Frage. Bis mir klar wurde, das wird mir wahrscheinlich niemand beantworten können. Die Frage ist nämlich nicht, wie machen es ANDERE (wenn es sie denn gibt). Die Frage ist, traue ich mir das zu? Habe ich die Zeit, wie kann ich weitere Zeit schaffen und wie sehr möchte ich das? Bin ich bereit, ALLES dafür zu geben oder gibt es da auch Grenzen?! Wenn ja, wo liegen die? Und gibt es Menschen, die mich im Notfall unterstützen können, sei es direkt am Pferd und Stall, oder auch daheim bei den Kindern? Und auch noch wichtig, was sagt mein Job dazu?! Finde ich Wege, um diesen gut weiterzuführen oder platzt der Traum schon am Zeitmanagement? Kam es mal zu Gesprächen mit nichtreitenden Müttern, haben viele gesagt:” Oh Gott ein eigenes Pferd?! Das ist wie ein viertes Kind!”. “Das würde ich mir überlegen”. Ja und nichts anderes habe ich dann getan. Ich habe überlegt und gedacht und nochmal überlegt und herum geplant. Aber zum Ergebnis bin ich irgendwie nicht gekommen. Monat für Monat wurde ich motivierter und der Wunsch wuchs über mich hinaus, bis ich eines Morgens aufgestanden bin und mir gesagt habe: ” Ich schaffe das, das ist mein Traum – Zeit ihn zu leben”! Den Rest kennt ihr ja (wenn nicht…..könnt ihr hier einiges dazu lesen).

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Wie hat sich also mein Alltag durch die Anschaffung meiner Isländerin verändert? Ich muss sagen, es ist wunderschön und so wunderbar, dass ich es nicht in Worte fassen kann. Allein schon die Fahrt zum Stall ist für mich pure Erholung. Mein Pferd, einfach nur ne Wucht und ich mittendrin. Man muss es natürlich mögen und wer nicht gerne an der frischen Luft ist, sich nicht gerne dreckig macht und sich selber nicht in den Hintergrund stellen kann, für den ist das wohl nichts. Jeder Tag ist hier anders. Mein Mann und ich arbeiten selbstständig, wir können uns also die Zeit frei einteilen. Meist fahre ich morgens in den Stall bevor mein Mann los muss. Oft bin ich bereits um 7.30 Uhr dort und reite meist schon eine halbe Stunde später. Ich mache meine Stallarbeit, die ich täglich selber erledigen muss, reite und versorge mein Pferd immer ganz in Ruhe. Dennoch habe ich die Uhr immer im Blick und hab natürlich nicht die Möglichkeit, im Stall zu versacken und kann mir unendlich viel Zeit lassen. Das wird irgendwann kommen, wenn die Kinder älter sind, aber jetzt ist meine Zeit noch sehr begrenzt. Ich arbeite mit meinem Pferd jeden Tag, immer unterschiedlich, aber wenn ich kann, bewege ich sie täglich. Manchmal geht es eben nicht, wenn ein Sturm über Norddeutschland fegt oder -14 Grad sind und der Boden unreitbar ist, dann hat sie auch gerne mal frei. Deswegen bin ich am frühen morgen oft damit beschäftigt, Zeit mit meinem Pferd zu verbringen. Wie das genau aussieht könnt ihr hier sehen! Eine für mich sehr wichtige Zeit, die mich jeden Tag sehr glücklich macht. Danach kaufe ich ein, erledige Besorgungen und koche das Mittagessen. Mir bleibt immer noch ein kurzer Zeitraum, um regelmäßig Videos zu drehen, Blogbeiträge zu schreiben und den Rest meiner Arbeit zu erledigen. Aber ich muss viel effizienter arbeiten, als zuvor. Muss meine Dinge noch besser planen und auch abends oft nochmal dies und das tun. Was mich überhaupt nicht stört, ich bin viel motivierter und glücklich, wenn ich einiges geschafft habe. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel Zeit man doch gewinnen kann, wenn man sie etwas genauer betrachtet. Hatte ich vorher schon das Gefühl, wenig Zeit zu haben, habe ich mit meinem zeitintensiven Hobby nicht das Gefühl, viel weniger davon zur Verfügung zu haben. Zeit, zum entspannen, bleibt natürlich wenig. Aber das brauche ich auch nicht, denn die Zeit am Stall ist Entspannung. Ich bin viel ausgeglichener, als vorher, die viele frische Luft macht mich wach und tut mir sehr gut. Ich bewege mich auch viel mehr und anders als vorher, was auch sehr zu meinem Wohlbefinden beiträgt. Wenn ich jetzt schon ein kleines Mini-Fazit ziehe, dann stelle ich fest, ja, es ist möglich, Pferd, Kinder und Arbeit können nebeneinander existieren, wenn man es wirklich will, Prioritäten setzt und gut organisiert ist. Und einem klar ist, dass man nicht an jedem Ort gleichzeitig sein kann. Ich bin sehr froh diesen Schritt gewagt zu haben. Denn er zeigt mir, dass gerade auch Mütter mit vielen Verpflichtungen ihre Träume leben können und sich selber nie vergessen oder an sich zweifeln sollten. Mittlerweile kenne ich einige Mütter bei mir am Stall, die auch Kinder haben. Jede hat ihre ganz persönliche Art und Weise Familie, Pferd(e) und Beruf unter einen Hut zu bekommen.  Hätte ich ALLE vorher gekannt, hätte ich bestimmt ein paar (Denk)Falten weniger 😉 !

Liebste Grüße vom Lande

Martina